miss.verständnis.

Ich halte ja so gar nichts von all den Missen und Wahlen und doch bin ich selbst eine. Eine Miss. Ohne Wahl und Wunsch. Ich bin MISSverständnis und zwar wie sie leibt und lebt…

Ich habe ein unheimlich großes Talent und das liegt darin, vieles, wenn nicht sogar alles, falsch zu verstehen. Selbst wenn man sich klar artikulieren und seine Bedürfnisse kommunizieren kann, finde ich ganz sicher noch ein Schlupfloch, durch das ichentwische und das es mir ermöglicht, meine eigenen Überlegungen anzustellen und munter drauf los zu interpretieren, was mein Gegenüber denn vielleicht gemeint haben könnte.

Zu diesem großen Talent gesellt sich meine nicht minder große Phantasie. Die Kombination aus diesen beiden sensationellen Eigenschaften führt immer wieder ans Ziel. Nämlich ins Chaos und in endlose Diskussionen, die kein Mensch braucht. Auch ich nicht. Aber anstatt dies gleich zu Beginn einer entstehenden Diskussion mitzuteilen, springe ich frohgemut hinein ins wenig einladende Becken des verbalen Schlagabtausches.

Wer jetzt glaubt, ich würde mich innerhalb dieser Diskussionen zurückhalten, weil ich ja eben weiß, dass ich die Dinge im ersten Moment oftmals falsch verstehe, viel und falsch interpretiere und zudem keine Diskussionen mag und aus ihnen auch kaum heraus finde, der irrt und zwar gewaltig. Ich renne nämlich gern und vorzugsweise WIDER besseren Wissens in mein Unglück und Verderben.

Meine Ausdauer ist hierbei nicht zu unterschätzen. Auch wenn ich EIGENTLICH nicht will, kann ich stundenlang diskutieren. Ohne Punkt und Komma. Und manchmal sogar ohne Luft zu holen.

Was ich da so alles von mir gebe, rauscht meistens an mir vorbei. Die wahre Bedeutung dessen, was ich da diskutiere, wird mir, wenn ich Glück habe, zum Ende des “Gespräches” bewusst. Spätestens jedoch am nächsten Tag.

Tja, das bedeutet dann, sich gnadenlos den Spiegel vorzuhalten und angesichts dessen, was einem dann entgegen blickt, wissend und schon beinahe resigniert, den Kopf zu schütteln. Ich hätte es besser wissen KÖNNEN und MÜSSEN. Diese Einsicht kommt leider etwas spät und die Fratze, die mir frech die Zunge rausstreckt und keinerlei Anstalten macht, aus dem Spiegel zu verschwinden, zeigt immer mehr hässliche Details.

Wie ein Wasserfall prasseln all meine “Argumente” der zurückliegenden Diskussion auf mich nieder und ich kann mich gar nicht so schnell schütteln, wie ich sie loswerden will. Hoffe ich noch auf einen lauen Sommerregen, spüre ich in dem Augenblick, in dem das erste Argument auf mir landet, dass es zäh und klebrig ist. Weder eine heiße Dusche noch tausend Seifen und Duschgels vermögen, die Worte von mir zu waschen, die ich gestern so treffsicher im Ohr meines Gegenübers platziert habe.

Die Buchstaben breiten sich auf meinem Körper aus, dringen durch meine Haut in mein Bewusstsein und dort bleiben sie, bis ich jedes einzelne Wort, jedes scheinbare Argument analysiert, verstanden und seinen (Un)Sinn erkannt habe. Dann und erst dann, verflüssigt sich die beinah feste Masse und lässt sich langsam abwaschen.

Was übrig bleibt, ist eine unschöne Masse zu meinen Füßen, die mir auf Schritt und Tritt folgt und zwar genau so lange, bis ich es dann endlich geschafft habe, mich an meinen letzten Diskussionspartner zu wenden und ihm zu vermitteln, dass ich verstanden habe. Doch selbst das reicht nicht aus, um mich wieder vollkommen rein zu waschen.

Es geht nämlich nicht darum, zu Kreuze zu kriechen und sich lapidar zu entschuldigen. Dieser zähflüssige Mist bleibt nämlich nicht an mir kleben, weil mein Gegenüber mich nicht verzeihen würde/ könnte, sondern weil es hierbei um etwas ganz anderes geht. Darum dass ich BEGREIFE, was ich gesagt und getan habe. Dass ich VERSTEHE, worum es eigentlich ging und dass ich ERKENNE, dass ich mehr als nur über das Ziel hinaus geschossen bin.

Und auch, wenn ich generell kein Problem damit habe, mich zu entschuldigen. So fällt es mir doch erheblich schwerer, mir wirklich EINZUGESTEHEN, wenn ich Bockmist verzapft habe. Zuzugeben, dass ich allein durch mein irrationales Kopfkino nicht mehr in der Lage war, den Schein vom Sein zu unterscheiden und zu erkennen, was WIRKLICH ist, ist beinah ein Ding der Unmöglichkeit.

Aber genau das will und muss ich lernen. Ich kotze mich nämlich mitunter selbst an und würde mir die Buchstaben oftmals gern selbst zurück in den Hals stecken oder mir den Mund zunähen. Da gerade Letzteres aber vermutlich extrem unschön wäre und mich auch daran hindern würde, die Frau, die ich mehr liebe als ich je Worte zur Verfügung haben kann, zu küssen, arbeite ich doch lieber an meiner Wahrnehmung, meiner Impulsivität und meiner schon recht angeschlagenen Diskussionswut .

Ich habe mich just in diesem Augenblick entschieden, nicht länger meinen Job und den allgemeinen Stress als Verursacher dieser Diskussionen vors Loch zu schieben. Ich stehe jetzt einfach dazu. Ich bin MISSverständnis und gelobe Besserung. Lieber einmal tief durchatmen und einen Moment innehalten, bevor ich die Worte aus meinem Mund in die Schlacht schicke.

Ich denke, dadurch wird vieles möglich und das Gesicht, das mir dann aus dem Spiegel entgegen blickt, wird auch wieder eines sein, das nicht nur ich lieber habe. Es wird auch das sein, das meine Freundin mit ihren Händen umschließt, um es zu küssen. Und überhaupt – der Mund kann so viel mehr und so viel schöneres vollbringen, als der Trichter unserer Worte zu sein.

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