wellengang.

Manchmal plätschert das Leben einfach so dahin. Beinah regungslos verharren wir in unserem Fluss des Lebens und haben das Gefühl, dass wir uns kaum vorwärts bewegen…Zwischendurch gehen wir am Ufer spazieren, spüren das Gras unter unseren Füßen und lassen uns dann wieder in das samtweiche Wasser gleiten, das uns trägt. Wir schließen die Augen und lassen uns treiben. So wenig wir das in einigen Momenten auch glauben können – der Fluß trägt uns davon. Vielleicht nicht immer nach vorn. Aber er verharrt nicht. Niemals. Wir sind immer in Bewegung. In ihm. Wir drehen uns um die eigene Achse. Treiben ein wenig zurück und bekommen so die Gelegenheit, eine schöne Stelle am Ufer oder im Wasser selbst, noch einmal, vielleicht sogar mit ganz anderen Augen, zu sehen.

Meist wehren wir uns gegen den vermeintlichen Rückschritt. Immer wollen wir vorankommen. Uns weiterentwickeln. Nach vorn. Immer weiter. Immer schneller. Als wäre das Wasser an einer anderen Stelle des Flusses klarer, reiner. Angefüllter mit den Geheimnissen des Lebens. Aufgeladen mit Spannung und reich an neuen Erlebnissen und Erkenntnissen.

Doch nicht immer ist ein MEHR auch ein BESSER. Denn manchmal ist die Stelle, an der man sich gerade jetzt befindet, eben auch genau die richtige. Das einzig Wahre und Vollkommene für diesen Augenblick.

Ähnlich dem Wetter, verlangen wir auch dem Fluss unseres Lebens ständig das ab, was er uns gerade offensichtlich nicht bietet. Ist er ruhig und sanft, fordern wir peitschende Wellen, die alles aufwirbeln und uns zwingen, alles neu zu beurteilen und uns neu zu finden. Doch brechen diese Wellen über uns herein, sehnen wir uns nach der Ruhe des vermeintlichen Stillstands. Recht machen kann es uns das Gewässer nie und das scheint auch nicht sein Ziel zu sein.

Mein Leben begann als kleiner Bach, der sich lautlos durch die unberührte Natur zog. Schmal war er und beinahe liebevoll schmiegte er sich an das saftig-grüne Ufer. Allmählich suchte er sich kleine Buchten, scheuchte unliebsames Unkraut zur Seite, suchte sich seinen Platz und wuchs. Aus meinem Bach wurde ein Fluss, der mal mehr mal weniger Wasser führte, mich aber stets sicher durch die Irrungen und Wirrungen meines Lebens trug.

Lange Zeit war mein kleiner Fluss mir allein vorbehalten und selbst als eigentlich genug Platz vorhanden war, mochte ich ihn nicht teilen. Konnte mir nicht vorstellen, jemanden in MEIN Wasser zu lassen. Wollte nicht riskieren, dass es zuviel wird. Zu eng. Zu unruhig. Immer wieder schickte ich Menschen weg. Sagte ihnen, dass dieser Fluss nur mich tragen könne. Kaum wieder allein, wünschte ich mir die Menschen zurück. Keinen persönlich. Aber ich hatte einen Traum. Ein Mensch, der mich erkennt und ergänzt. Der mich fordert und fördert. Der meine Rettungsboje und mein Anker sein könnte. Wer dieser Mensch sein würde, konnte ich nicht einmal erahnen.

Viel Zeit zum Träumen blieb nicht. Denn mein Fluss hatte nicht vor, zu rasten. Er stürzte Schluchten hinab und ergoss sich über Felsen und Geäst. Er riss schwache Gewächse mit sich und schüttelte mich kräftig durch. Immer und immer wieder. Ich ging unter, schluckte jede Menge Wasser, verlor fast die Besinnung und fand mich doch immer wieder an einem rettenden Ufer, auf das mich mein Fluss vorübergehend gelegt hatte, um zu verschnaufen. Um Kraft zu schöpfen. Mich zu erholen.

Mein Fluss wollte mir nicht schaden. Zu keinem Zeitpunkt. Ganz im Gegenteil. Er versuchte, mich auf das Leben vorzubereiten. Auf die Erschütterungen, Verletzungen. Aber auch auf die Jubelstürme, Herzorgasmen und die Liebe.

Letzteres war unmöglich. Denn die Liebe ist mehr als ein Fluss. Sie vermag Dich an weitaus schönere Plätze zu führen als es der Fluss des Lebens allein jemals vermag. Aber auch die Wellen, die die Liebe in Deinem Fluss und allen anderen Gewässern schlägt, sind nicht zu überbieten. Darauf vorbereiten kannst Du Dich nicht.

Die Liebe kommt nie allein. Sie hat allerlei Weggefährten dabei – die Vergangenheit. Die damit verbundenen Menschen und Ereignisse. Zukunftsvisionen. Träume. Ängste. Visionen. Ungeahnte Dimensionen der Tiefe. Glück und Verzweiflung. Lust. Leidenschaft. Die Liebe schlägt große Wellen. Immer wieder. Vollkommen unerwartet. Sie erzeugt Strudel, die Dich unter die Wasseroberfläche zerren und Fontänen, die Dich ans Ufer spucken.

Die Liebe ist eine Naturgewalt, die sich dem Fluss des Lebens nicht unterordnet.

Was für ein guter Schwimmer Du auch sein magst. Mit der Liebe musst Du das Schwimmen neu erlernen. Kaum etwas, was Du bisher wusstest, kann als Rettungsring oder Schwimmhilfe dienlich sein.

Manchmal hält Dich die Liebe im Fluss des Lebens liebevoll in ihren Armen, lässt Dir die Sonne ins Gesicht scheinen, wärmt Dich und schenkt Dir Geborgenheit. Du schwelgst im Glück und fragst Dich, womit Du soviel Glück und Gleichmut verdient hast. Was Dein Glück noch übertreffen könnte. Es gibt keine Antwort darauf. Alles scheint vollkommen. Ist es. In diesem winzigen Augenblick, der sich Gegenwart, Hier und Jetzt, nennt.

Du atmest tief ein und geniesst Dein Glück. Die Seligkeit. Du weinst vor Glück. Schenkst dem Fluss des Lebens Deine Tränen der Liebe und des Glücks.

In der nächsten Sekunde verspürst Du einen kalten Schauer, der sich über Deinen Körper zieht und noch ehe Du die Augen öffnen kannst, hat Dich die nächste Welle gepackt. Sie drückt Dich nieder, verhindert, dass Du Luft holen und Dich orientieren kannst. Sie reisst Dich fort. Du trittst wild um Dich, schlägst mit den Armen nach unsichtbaren Feinden und suchst Halt. Mit den Händen. Mit den Füßen. Versuchst Deinen Kopf über Wasser zu bekommen und kämpfst gegen die Panik an.

Deine Lungen füllen sich mit Wasser. Deine Ohren rauschen. Deine Augen werden blind. Du lässt los. Gibst auf. Dich dem Wasser und den Wellen hin. Wehrst Dich nicht länger. Du gehst unter. Sinkst bis auf den Grund…Es wird kalt. Und ruhig…

Ein Lichtstrahl trifft Dein Gesicht. Wärmt Dich und Deinen schocksteifen Körper. Eine unsichtbare Kraft trägt Dich an die Oberfläche. Bettet Dich auf dem weichen Moos. Beschützt Dich. Hält Dich. Gibt Dir Deine Lebenskraft- und Energie zurück.

Müde und erschöpft öffnest Du Deine Augen und blickst in das Gesicht der Liebe. Jene Liebe, die Dir gerade den Kampf Deines Lebens abverlangt hat. Jene Liebe, die Dich gerettet hat. Sie und das Vertrauen, das Du in den Menschen hast, mit dem Du Deinen Fluss des Lebens teilst…

Die Liebe, die mich durch meinen Fluss des Lebens treibst, trägt Dein Gesicht und Deinen Namen. Aus Deinen Augen blickt mir das Vertrauen entgegen. Wann immer ich Dich lächeln sehe, weiß ich, dass mir keine Welle dieser Welt etwas anhaben kann. Dass mich das Wasser nie unterkriegen wird. Es wird mich tragen. An Deiner Seite. In unserem Fluss. An viele, unbekannte und schöne Ort. Unsere Liebe ist unser Rettungsboot, das selbst dem ärgsten Wellengang standhält. Ich habe keine Angst mehr. Nicht vor zuviel Nähe in meinem Fluss. Nicht vor den Wellen und dem Wasser, das mir manchmal aus Augen, Ohren, der Nase und dem Mund gleichzeitig läuft.

Du bist mein Anker und meine Rettungsboje. Du bist genau die RICHTIGE, um mit mir das Wasser des Lebens und der Liebe zu befahren. Du bist ES…

Advertisements

2 thoughts on “wellengang.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s