unterbrechungen.

Alle reden von Mrs. oder Mr. Right. Wollen sie oder ihn finden, heiraten, eine Familie gründen und gemeinsam leben.

Ich bin da keine Ausnahme.

Kein Ziel scheint doch erstrebenswerter zu sein, als der Einen zu begegnen und mit ihr unser Leben zu teilen.

Die Idee der großen Liebe, dieses Konstrukt, funktioniert aber eben nur, so lange es nur ein Produkt unserer Phantasie ist. So ganz daran glauben, will nämlich niemand so richtig. Viel zu gewaltig wäre das, was dann mit uns, in uns, geschehen würde.

Ich stehe ja in dem Ruf, nur für diese Idee zu leben und bei allem, was ich tue, das here Ziel zu verfolgen. Ich wollte sie immer finden – die große Liebe und sie dann auch leben. Sobald sich aber auch nur ein Hauch von Liebe in meine Richtung verirrte, nahm ich garantiert die Beine in die Hand und suchte das Weite. Denn obgleich ich mir nichts Schöneres vorstellen konnte, als die Eine an meiner Seite zu haben, fürchtete ich mich doch gleichzeitig vor nichts mehr als dem Tag, an dem dieser feine Traum Wirklichkeit werden würde.

Ich habe einiges dafür getan, dass es nie soweit kommt. Habe mich treffsicher immer dür die Frauen interessiert, die gelinde gesagt, Arschlöcher waren und sicher alles gesucht haben, jedoch weder Liebe noch Exklusivität. So schickte ich mein Herz immer wieder auf die Reise und wusste zugleich, dass es, selbst wenn es ohne zu straucheln, ankommen sollte, an Ort und Stelle auseinander genommen und wieder zurück geschickt werden würde…Mein mir natürlich vollkommen unbewusster Plan ging also auf und ich konnte weiter auf der Suche sein, ohne auch nur ansatzweise in die Nähe der Einen zu kommen. Selbsttäuschung ist eine feine Sache…

Aber ich konnte nicht anders. Zu gefährlich, zu bedrohlich erschien mir all das, was mit einer wirklichen Beziehung einherging.

So träumte und phantasierte ich also von der großen Liebe, ohne je wirklich offen für sie und bereit zu diesem großen Schritt zu sein.

Mehr als 30 Jahre wandelte ich mit diesem Widerspruch in mir durch die Welt und mein Leben und wunderte mich doch tatsächlich, dass ich nie richtig und vollkommen glücklich war.

Das, was ich nach außen propagierte, entsprach schlichtweg nicht der Entwicklung meines Herzens und seiner Offenheit.

Ich war einfach noch nicht so weit.

Als Du zum ersten Mal in mein Leben getreten bist, war ich zu weit weg – physisch und psychisch. Außerdem habe ich mir die äußeren Umstände zu Nutze gemacht. Was war ich doch für ein schlaues Mädchen. Welches Gefühl ich dadurch bei Dir hinterließ, war mir seinerzeit nicht einmal wichtig. Ich redete mir einfach ein, dass Du ohnehin kein Interesse an mir hättest.

Als ich Dir jedoch ein zweites Mal “über den Weg lief”, wähnte ich mich auf der sicheren Seite des Lebens. Immerhin hattest Du eine Freundin und ich just zu der Zeit entschieden, dass ich lieber allein leben möchte.

Wer konnte denn auch ahnen, dass die Urgewalt der Liebe über uns hereinbrechen würde?

Ein Gespräch genügte und Deine Stimme nistete sich in meinem Ohr ein und tropfte von dort kontinuierlich in homöopathischen Dosen in mein Herz.

Ich hatte keine Chance. Konnte nichts dagegen tun.

Du zogst mit Deiner Stimme in mein Sein und richtetest Dich ein.

Es folgte eine Woche nahezu ununterbrochener Gespräche. Wir teilten unsere Gedanken, Träume und Wünsche. Wir lachten zusammen und sehnten uns nacheinander.

Wir planten ein Treffen und wussten im gleichen Augenblick, dass wir es niemals bis zu dem Termin schaffen würden.

Wir warfen alle Zweifel über Bord, änderten unsere Pläne und setzten alles auf eine Karte.

Was auch immer wir uns wünschten und erhofften, wirklich daran glauben konnten und wollten wir nicht.

Während wir uns, wahlweise im Auto oder Zug, aufeinander zu bewegten, schlugen uns unsere Herzen bis zum Hals – vor lauter Sehnsucht und Vorfreude. Aber auch vor Angst.

Angst vor dem gewaltigen Gefühl, das sich zwischen uns zu entwickeln schien.

Angst davor, dass wir uns all das nur einbildeten, dass “das” nicht wahr sein konnte und wir einander am Ende nichts zu sagen hätten.

Wir versuchten den vermeintlichen Augenblick der Wahrheit hinauszuzögern und liefen wie ein gefangenes Tier auf und ab. Du auf dem Bahnsteig, ich im Zug…

Doch irgendwann gab es kein Zurück mehr. Mein Zug hielt an, ich stieg aus, versuchte mich hinter den vielen Passanten zu verstecken. Du hieltest Ausschau.

Dann erkannten wir einander und sahen uns zum ersten Mal wirklich.

Es war Liebe auf den ersten Blick und diese Liebe hat in den vergangenen sechs Monaten jede Bewährungsprobe bestanden und war sie auch noch so hart.

Unsere Liebe hat Bestand und wir haben es auch.

Wir leben zusammen, wenn auch oftmals in zwei verschiedenen Welten.

Unsere Woche leben wir nach der Formel 5 zu 2. Noch immer. Seit sechs Monaten. Woche für Woche. Wir leben von den Sommerferien zu den Herbstferien und von dort zu den Weihnachtsferien. Hangeln uns von Tag zu Tag, Woche zu Woche, Monat zu Monat.

Wir leben ein Leben mit Unterbrechungen. Treffender hättest Du es nicht formulieren können.

Jeden Sonntag reisst mich der Zug aus unserem Leben, trägt mich fort in ein Land, das längst nicht mehr mein Zuhause ist. In ein Leben, das ich nicht mehr als das meine erkenne und bezeichnen kann.

Nie zuvor habe ich einen Menschen so nah an mich heran gelassen oder mich auch nur ansatzweise so sehr angenähert wie das bei Dir und uns der Fall ist. Nie habe ich mein Leben mit dem eines anderen Menschen vermischt.

Unabhängig davon, wie viele Freunde ich auch gehabt haben mag, ich war und blieb immer eine Einzelgängerin, die nichts mehr genoss, als sich in ihr Heiligtum zurückzuziehen, um sich dort ihren Büchern, ihrer Musik und ihrem Schreiben hinzugeben.

Mit Dir änderte sich alles. Die Fäden unserer Leben fanden sich und sind seitdem untrennbar miteinander verbunden. Sie ergeben ein wunderbares, neues Muster. Eines, das ich mir nie vorstellen konnte und das ich jetzt heiß und innig liebe.

Das erste Mal verstehe ich mich als Teil einer Einheit.

Ich kann nicht behaupten, dass diese Umstellung einfach war.

Ich stieß und stosse immer wieder an meine Grenzen, erfahre mich selbst und wachse.

Schon früh war klar, dass die ewigen Unterbrechungen uns zusetzen und enorm viel Kraft kosten würden. Sehr bald musste eine Entscheidung getroffen werden.

Doch auch wenn die Schweiz, insbesondere Bern, wohl meine erste wirkliche Heimat war, mein Leben bis Dato perfekt, meine Freunde toll, meine Wohnung schön und mein Job erfüllend war, fiel mir die Entscheidung nicht schwer.

Ich zögerte keine Sekunde als Du mich fragtest, ob ich bei und mit Dir leben will.

Die Aussicht, am Sonntag Abend nicht mehr ins Auto steigen und zum Bahnhof fahren zu müssen, ist die größte Verlockung meines derzeitigen Daseins.

Ich kann es kaum erwarten, nicht mehr Woche für Woche aus der Geborgenheit Deiner Arme gerissen zu werden.

Die Vorstellung, jede Nacht neben Dir einschlafen und jeden Morgen mit Dir aufwachen zu dürfen, lässt ein warmes Gefühl des Glücks durch meinen Körper fließen.

Alles, was mich früher in Bezug auf Menschen, Nähe und Liebe ängstigte, lässt mich heute strahlen.

Deine Nähe beruhigt mich, Deine Liebe gibt mir Rückhalt und Zuversicht.

Die Unterbrechungen lassen mich jede Woche aufs Neue erkennen, dass Du genau die Frau bist, die ich für immer an meiner Seite haben möchte. Mit der ich alles teilen will – ob gut oder schlecht.

Durch Dich wachse ich über mich selbst hinaus.

An Deiner Seite darf ich schwach sein und werde dadurch nur noch stärker.

Du fängst mich auf und hältst mich sicher in Deinen Armen.

Du nimmst mir die Angst und linderst die Schmerzen der Sehnsucht und Ungeduld.

Wenn ich mich wieder einmal zu verlieren drohe im Strudel des Alltags mit all seinen Forderungen und unseren erzwungenen Trennungen, öffnest Du meinen Horizont, zeigst mir neue Perspektiven und vermittelst mir Ruhe und Gelassenheit.

Du zeigst mir neue Wege und hilfst mir, durchzuhalten. Immer und immer wieder.

Du machst die Unterbrechungen erträglich und bist stark für uns beide, wenn ich es einmal nicht sein kann.

Zusammen entwickeln wir mehr Liebe und Stärke als ich es mir je hätte vorstellen können.

Du und ich – wir sind ein unschlagbares Team und neben uns verblassen selbst die Unterbrechungen, die unser Leben stets aufteilen.

Doch sehr bald werden diese Zeiten nur noch eine blasse Erinnerung sein in einem Leben voller Liebe, Nähe und Verbundenheit.

Danke, dass Du bist wie Du bist und dass Du mich die sein lässt, die ich bin.

 

Lana Del Rey – Video Games

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2 thoughts on “unterbrechungen.

  1. Deine Texte sind sehr schön und berührend.
    Man merkt, dass sie direkt vom Herzen kommen.
    Ihr habt unwahrscheinliches Glück, dass Ihr euch gefunden habt und ich wünsche euch, dass Ihr das für immer teilen und halten könnt.
    Ich hoffe ich kann irgendwann in meinem Leben auch so einen schönen Text für die RICHTIGE schreiben und vor allem hoffe ich, dass ich sie irgendwann mal finden werde.

    • Vielen Dank liebe Lisa.

      Leider gibt es keinen Weg, der direkt zur großen Liebe führt. Selbst wenn, hätte ich ihn wahrscheinlich übersehen. Es hat gedauert bis mir bewusst wurde, welch wundervolle Frau da in meinem Leben aufgetaucht ist, aber es war die berühmte Liebe auf den ersten Blick und sie bestätigt sich jeden Tag aufs Neue.

      Also gib die Hoffnung nicht auf. Es gibt sie. Ganz sicher. Auch für Dich…

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