zerissen.

Wie schnell verändert sich alles, was ich zu glauben schien. Auf einmal werden die Karten neu gemischt, ohne dass ich auch nur gefragt wurde, ob ich das überhaupt will. Ich werde entmündigt und andere treffen Entscheidungen, die mein komplettes Leben auf den Kopf stellen und nicht einen Stein auf dem anderen lassen. Ich habe gar keine andere Wahl als all das anzunehmen und zu versuchen, mich Stück für Stück wieder zusammen zu setzen. Doch was tue ich, wenn ich nicht alle Teile meines Selbst wieder finde? Wenn so vieles mit einem anderen Menschen, mit Dir,  verwoben ist, dass Du es mit Dir nimmst, wenn Du mich und unser gemeinsames Leben verlässt? Ich versuche laut STOPP! HALT! zu rufen, renne Dir hinterher und greife nach allem, was mich und mein Leben ausmacht, aber ich erreiche Dich nicht mehr. Du hältst Dir Deine  Augen und Ohren zu und stolperst taub und blind in ein neues Leben, das Du fortan zu Deinem erklärst. In diesem Leben habe ich selbst keinen Platz mehr.

Vor 51 Tagen brach meine Welt zusammen. Unser gemeinsames Leben fand ein Ende. Aus dem Nichts heraus verlor alles an Bedeutung, was uns bis zu diesem Zeitpunkt wichtig war. Nichts war mehr wie es zuvor war. Die Farben verblassten, die Musik wurde leiser und die Grenzen zogen sich enger. Die Luft zum Atmen wurde mit jedem Wimpernschlag dünner und ich hatte Mühe, mein verwundetes Herz zu nähren. Schließlich weigerte es sich, überhaupt noch etwas anzunehmen. Ich bereitete ihm die tollsten Speisen zu, die ich mit meiner Liebe und meiner Hoffnung zuzubereiten vermochte, aber es weigerte sich, auch nur einen Bissen zu sich zu nehmen. Es verschloss sich. Vor mir und meiner unsagbaren Hoffnung. Es versagte mir den Dienst und das einzige, wozu es sich noch herabließ, war, meinen Körper mit dem Notwendigsten zu versorgen, damit ich meiner Arbeit nachgehen konnte und mich, einem Roboter gleich, durch das zu bewegen, was ich ab sofort mein Leben zu nennen hatte.

2 minus 1 sollte eigentlich 1 ergeben, aber in diesem, unserem, Fall stand am Ende dieser Gleichung eine Null. Niemand hatte etwas gewonnen, was auch immer wir uns diesbezüglich einzureden versuchen. Über mir und meinem Leben steht eine große, leuchtende 0 und ich habe absolut keine Lust, diese mit Leben zu füllen.

Ich habe es versucht. Mehr oder weniger ernsthaft. Ich habe mich voll und ganz dem hingegeben, was mich seit jeher ausgemacht hat. Habe Freunde getroffen und neue Menschen kennen gelernt. Ich habe Dinge getan, die ich schon lange machen wollte. Ich habe achtgegeben auf mich und dafür gesorgt, dass es mir gut geht. Ich habe mich viel an der frischen Luft bewegt, Sport gemacht und meinen Körper mit lauter gesunden Lebensmitteln genährt. Ich habe weniger gearbeitet und mehr geschlafen. Ich habe all das richtig gemacht, was Du immer an mir bemängelt hast und natürlich war Deine erste Frage, warum ich all das erst jetzt mache…

Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, warum es dieser Katastrophe bedurfte, um mich aufzuwecken. Aber ist das nicht auch egal? Ist es nicht viel wichtiger, dass ich jetzt wach bin? Hellwach?!? Dass ich verstanden habe, um was es geht und gewisse Dinge nicht wieder tun würde? Dass ich achtsamer und wachsamer bin? Dass ich mich wieder selbst wahrnehme und nicht mehr nur als Teil einer Einheit betrachte, in der ich mit meinen Wünschen und Bedürfnissen unterzugehen drohe?

Nein, es scheint nicht egal zu sein. Denn all das, worauf ich gehofft habe, ist nicht eingetreten. Wir haben uns in verschiedene Richtungen entwickelt. Während ich durch den heilsamen Schock aufgewacht bin und mich auf den Weg gemacht habe zurück zu mir, damit es wieder einen Weg hin zu uns geben kann, hast Du eine komplett andere Richtung eingeschlagen.

Du bist weggerannt und hast alle Brücken hinter Dir abgerissen. Jeden Tag auf’s Neue hast Du Dir eingeredet, dass all das, was Dir derzeit als wichtig und unverzichtbar erscheint, unvereinbar ist mit Deiner Liebe zu mir, mit einem gemeinsamen Leben.

Du sprichst davon, dass Du mich liebst und mit mir alt werden willst. Im nächsten Moment sagst Du mir, ich solle mein Leben ohne Rücksicht auf Dich leben. Du schickst mich weg und kannst mich doch nicht gehen lassen.

Jeder weiß, dass wir uns lieben und zusammengehören. Du willst es nicht wahrhaben. Willst nichts davon wissen. Hast Angst vor allem, was nach Verantwortung aussieht. Kannst Dir nicht vorstellen, dass es andere Beziehungsmodelle gibt als jene, die uns die Gesellschaft diktiert.

Ich habe alles versucht, Dich vom Gegenteil zu überzeugen, aber meine Worte erreichen Dich und Dein Herz nicht. Und wenn sie es doch tun, packst Du sie mit beiden Händen und wirfst sie vor die Tür, damit sie Dein fragiles Konstrukt eines Lebens nicht ins Wanken bringen.

Ich glaube, wir sind beide Lügner. Wir versuchen uns das Leben ohne die andere schön zu reden und suchen nach allen Fehlern und allem, was nicht gut war, um uns davon zu überzeugen, dass es das Beste ist, wenn wir künftig ohne einander durchs Leben gehen.

Ich will und werde mich nicht länger belügen. Denn dafür ist das Leben zu kostbar. Spätestens seit gestern weiß ich das. Gestern musste ich meine geliebte Oma auf ihrem letzten Weg begleiten. Du warst bei mir und ohne Dich hätte ich nicht einen Schritt auf diesem Weg gehen können. Du warst mein Halt und mein Schutz. Das erste Mal seit ich auf dieser Welt unterwegs bin, konnte und durfte ich schwach sein. Ich durfte Halt suchen in Deinen Armen und in Deiner Liebe. Du hast mich abgeschirmt von allem, was ich nicht aushalten konnte und hast mir Deine Hand gereicht auf dem Weg, den ich gehen musste. Du hast meiner Oma so wundervolle Worte mit auf den Weg gegeben und in ihrem Beisein all die Liebe gezeigt, die Du je für mich empfunden hast.

Wir waren eine komplette Einheit. Die vollen 41 Stunden lang, die wir miteinander verbracht haben. Es gab keinen einzigen Moment der Unstimmigkeit. Wir waren tief in unseren Herzen verbunden und das hatte nichts mit der Trauer zu tun, die uns auf diese Reise gebracht hat. Diese 41 Stunden waren geprägt von der Liebe, die uns seit jeher verbunden hat und allen kopflastigen Überlegungen zum Trotz habe ich auf mein Herz gehört und erkannt, dass wir beide zusammengehören. Dass wir es füreinander sind und dass es einen Weg gibt und geben muss, dass wir diese Liebe mit unser beider Leben verbinden können.

Ich bin überzeugt davon, dass wir soviel gelernt haben, dass wir die gleichen Fehler nicht noch einmal machen werden. Nenn mich hoffnungslos romantisch, aber ich glaube an uns und ich glaube an die ungeheure Kraft unserer Liebe. Zu stark hat sie sich in den vergangenen Tagen gezeigt und nicht eine einzige Sekunde gab es Zweifel an diesen Tagen.

All of me

Jetzt liegt es wohl nur an Deinem Kopf und an Deinen Ängsten, in welche Richtung wir beide gehen werden.

Wir beide wissen, dass jetzt die Zeit der Entscheidung gekommen ist. Dass es nur noch zwei Optionen geben kann und ja, das macht Angst. Zu wissen, dass uns nur noch wenige Tage von dem Moment trennen, in dem endgültig entschieden wird, ob wir uns mit kleinen Schritten auf machen in ein neues gemeinsames Leben, in dem wir zaghaft versuchen werden, die große Liebe, die uns seit jeher verbindet mit den neuen Ansprüchen an unsere Leben zu verknüpfen oder ob wir die starken Bande unserer Liebe und Verbundenheit unwiderruflich zerschneiden werden, um unabhängig voneinander ein Leben anzufangen, in dem es sicher alles geben wird, was spannend und interessant ist, aber das Essentielle eben nicht – unsere Liebe.

Ich weiß nicht, was geschehen wird. Meine Intuition ist dieser Tage kein guter Ratgeber. Ich fühle mich wie in Watte gepackt und wünschte, ich hätte all das schon hinter mir. Wüsste, wie mein Leben künftig aussehen soll.

Noch befinde ich mich in der Warteschlange und ganz ehrlich, es ist mir egal, was andere Menschen dazu sagen mögen.

Natürlich könnte ich mich unberührbar geben, Dir die kalte Schulter zeigen und Dich wissen lassen, dass Du es bitter bereuen wirst, Dich nicht für uns entschieden zu haben. Ich könnte mich umdrehen, gehen und ein Leben ohne Dich beginnen. Das habe ich ja bereits und dieses Leben ist nicht schlecht. Ganz im Gegenteil. Es erfüllt mich. Ich unternehme viele großartige Dinge und ich habe viele tolle Menschen um mich herum. Ich kann nicht sagen, dass es mir schlecht geht oder dass ich jeden Tag weinend auf dem Sofa sitze.

Aber all das bedeutet nicht, dass Du mir nicht fehlst.

Das tust Du!

Denn ich liebe Dich und ich weiß, dass Du DIE EINE bist.

Du bist der Mensch, dessen Nähe mir die liebste ist. Der Mensch, der immer bei mir sein kann, ohne dass ich ihn je als störend empfinden würde. Du hast mich stark und schwach sein lassen und Du hast mir in meiner schwersten Stunde bewiesen, wie stark Liebe sein kann. Du hast meinen Horizont erweitert und mir in der dunkelsten Stunde meines bisherigen Lebens die Sonnenstrahlen in mein Herz geholt.

Auch wenn Du es selbst vielleicht nicht gemerkt hast, so hast doch Du in den letzten beiden Tagen ein Zeichen gesetzt. Du hast uns bewiesen, dass ein WIR möglich ist, ohne das ICH und DU zu verlieren. Vielleicht ist Dir all das gar nicht bewusst, aber nur durch Dich und die Art, wie WIR waren, hast Du mir gezeigt, dass wir zusammengehören. Dass die Liebe, die uns verbindet stärker ist als alle Zweifel dieser Welt.

Stay with me

Ich liebe Dich Jim Bob und ich glaube an uns. Allen Zweifeln und Ängsten zum Trotz. Das was uns verbindet ist besonders und kostbar. Ich hoffe, wir finden die Kraft, dieses Geschenk anzunehmen und es nicht achtlos fallen zu lassen.

Doch was auch immer die kommenden Tage bringen werden – ich danke Dir. Ich danke Dir für Deine unerschütterliche Liebe und für die Kraft, die Du mir bei meinem schwersten Gang gegeben hast. Ich danke Dir für diese 41 Stunden voller Liebe und Vertrautheit. Danke, dass Du bist wer Du bist und dass Du mich als die liebst, die ich bin und sein kann.

Ich werde keine Sekunde all dessen je vergessen.

 

In Liebe.

John Boy

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