herzstürme.

Die Liebe kommt in unser Herz ohne dass wir sie kommen sehen. Manchmal schleicht sie sich durch die Hintertür herein und wir werden uns ihrer erst bewusst, wenn sie es sich tief in unserem Herzen bequem gemacht hat und sich nur schwerlich davon überzeugen lässt, ihr neues Zuhause wieder zu verlassen…Manchmal kommt sie wie eine Naturgewalt auf uns zu, drückt die Tür zu unserem Herzen auf und wirbelt die umliegenden Blätter mit sich, während sie einen wahren Freudentanz in uns aufführt.

Wir können uns nicht aussuchen, wie uns die Liebe findet. Ob sie uns findet. Wir können sie nicht festhalten und nur selten gewährt sie uns einen Ausblick auf das, was sie in unser Leben bringen wird. Und wer will schon wissen, was das Leben wirklich für uns bereit hält? Wer will heute schon wissen, was morgen auf ihn wartet?

Ich nicht. Obwohl ich mir manchmal zugegebenermaßen wünschen würde, ich wüsste, welch Unheil hinter mancher Begegnung lauert und mein Leben aus den Angeln hebt. Aber würde ich mich wirklich anders entscheiden, anders handeln, wenn ich von dem Schmerz wüsste oder ist das eben der Preis der Liebe? Dass man sich verletzbar macht und manchmal eben auch verwundet zurück bleibt?

Ich möchte mich hier nicht mit den Floskeln aufhalten, dass alles im Leben seinen Sinn hat, denn dem ist vermutlich nicht immer so, aber rückblickend hat all das Schmerzhafte und Unschöne auch seine guten Seiten. Es wirft uns auf uns selbst zurück und ermöglicht uns, zu wachsen, uns zu entwickeln und zu entfalten…Allerdings nur, wenn wir dem Schmerz nicht gestatten, uns zu lähmen…

In den letzten fünf Monaten fühlte ich mich wie gefangen in einem Wirbelsturm der Gefühle. Nur selten konnte ich mich in das Auge des Sturmes zurückziehen und so für einen Augenblick Luft holen und Kraft schöpfen. In diesen kurzen Momenten erlag ich der Illusion, das Schlimmste überstanden zu haben und atmete hörbar auf. Doch wie aufs Stichwort wurde ich in genau diesen Momenten wieder in die Wogen des Sturms geschleudert und verlor die Orientierung.

Ich wusste weder vor noch zurück. Ich hatte keine Vorstellung mehr davon, wohin ich gehen wollte. Wusste nicht mehr, wer ich vor dieser Liebe, die mir nun das Herz brach, war und was ich vom Leben wollte.

Ich habe so sehr für diese Liebe gelebt, dass ich mich selbst verloren habe.

Man möchte meinen, es sei leicht, sich selbst wieder zu finden, weil man sich selbst doch am nächsten sei. Aber dem ist nicht so. Wenn man sich selbst verloren hat, braucht es mehr als sich selbst, um sich selbst wieder auf die Schliche zu kommen. Kein Detektiv dieser Welt vermag es, einen Menschen zu sich selbst zurück zu bringen.

Wenn der erste Schock überwunden ist, gilt es, den Ort zu entlarven, an dem wir unsere Spur verloren haben. Wir müssen zurück zu der Zeit, als wir noch wussten, was wir wollen und was wir lieben. Zurück zu einer Zeit, in der wir uns nicht immer hinter unsere Liebe zurück gestellt haben, um es dem anderen Recht zu machen. In der es uns noch um uns selbst ging und in der wir nicht unsere eigenen Standpunkte verschwiegen, um den anderen nicht zu verärgern oder gar zu verlieren.

Warum nur neigt der Mensch dazu, sich selbst aufzugeben, wenn er liebt? Warum nur fördern sich Liebende nicht gegenseitig in ihrer Entwicklung? Sollte Liebe nicht genau das sein? Gemeinsame Entwicklung und Entfaltung der Persönlichkeit?

Ich habe so lange versucht, perfekt für die Frau zu sein, die ich mehr liebte als alles andere auf der Welt, dass ich vergass, wer ich wirklich bin. Ich wurde unsichtbar und unglücklich. Reduziert auf das, was für andere sichtbar war und genau dafür verurteilt, zog ich mich immer mehr in einen Winkel meines Selbst zurück, dass es am Ende schier unmöglich schien, mich selbst zu finden. Aber vielleicht war genau das der Sinn hinter alledem. Vielleicht musste ich mein wahres ICH, mein geliebtes Selbst in Sicherheit bringen, damit am Ende dieser gigantischen Herzstürme, die über mich hinwegfegten, etwas von mir unverletzt blieb.

Dieser Tage frage ich mich jedoch, ob ich es geschafft habe. Konnte ich etwas retten? Ist da etwas, das nicht unter den Trümmern Schaden genommen hat? Manchmal blitzt ein kleiner Hoffnungsschimmer auf, der mich an die Frau erinnert, die ich vor alledem war. Vor dieser großen Liebe und vor dem unbeschreiblichen Schmerz.

Manchmal schreibt sie sich aus mir heraus und bittet mich darum, an die Luft zu dürfen. Frischen Atem in ihre Lungen aufzunehmen, Leben einzulassen und wieder Hoffnungen entstehen zu lassen. Hoffnung darauf, dass sich das Herz eines Tages erholt und dass es nicht so schwer verwundet ist, dass es sich eine gewisse Offenheit bewahren kann.

Herzen sind zum Lieben da, nicht um verletzt und zerstört zu werden.

Dieser große Sturm, der mein Leben komplett auf den Kopf gestellt hat, ist nicht der erste dieser Art, wenn auch der schlimmste. Und er wird nicht der Letzte gewesen sein. Aber ich glaube ganz fest daran, dass mein Herz das überlebt. So wie ich all das überlebt habe. Mit sichtbaren Spuren, ja. Aber ich habe es überlebt und ich habe einiges gelernt.

Aber vor allem habe ich, Stück für Stück, zu mir zurück gefunden. Habe verborgene Seiten meines Selbst neu entdeckt und ganz langsam begonnen, mich und meine Persönlichkeit freizulegen und neu zu entfalten. Ich habe mir ein neues Zuhause geschaffen, das mich täglich in seine schützenden Arme nimmt und mich mit Wohlgefühl umhüllt.

Ich habe Menschen kennen gelernt, die mich für das mögen und lieben, was ich bin und nicht für das, was ich vielleicht mal sein könnte. Um mich herum hat sich ein Umfeld aufgetan, dass mich stützt, fordert, fördert und leben lässt. Ich bin gut aufgehoben und werde wahrgenommen. Als Mensch gesehen, der Stärken und Schwächen hat. Der Fehler machen darf und mit dem man gemeinsam darüber lachen kann.

In meinem neuen Leben, das ich unfreiwillig begonnen habe und das ich nach und nach zu lieben lerne, habe ich Menschen um mich herum, die mir Mut machen, mein wahres ICH zurück ans Tageslicht zu bringen und stolz auf eben dieses zu sein. Das sind die Menschen, die mit mir lachend um die Häuser ziehen, die meine Tränen trocknen, wenn der Schmerz mich überwältigt, die sich mit mir freuen, wenn ich erfolgreich bin und die mich unterstützen, wenn ich zu straucheln scheine.

Mein neues Leben konnte zwar nur beginnen, weil ich das bisher Wichtigste verloren habe, aber es hat mich reich beschenkt und jetzt ist es an mir, dieses Geschenk anzunehmen und zu nutzen.

Nur noch wenige Wochen und ich bin 35 Jahre alt. Ja, ich hatte andere Pläne und habe auch immer davon geträumt, mit 35 angekommen und verheiratet zu sein, doch das Leben hatte es anders geplant und so stehe ich heute hier und kann mich entscheiden, ob ich weiterhin den Träumen und Illusionen einer Liebe nachhänge, die es nicht mehr gibt oder ob ich meine Augen und mein Herz für das Wunder und die Schönheit des Lebens öffne.

Unsicheren Schrittes mache ich mich also auf den Weg und mein Leben macht es mir leicht. Denn es läuft auf allen erdenklichen Ebenen gut und ich bin jeden Tag dankbar für all das, was mir Gutes widerfährt und ja, ich bin noch immer davon überzeugt, dass es den einen Menschen für mich geben kann. Die Frau, die mich mit allem liebt, was ich bin und sein kann. Die mit mir lacht und weint. Die alles mit mir teilt und die sich nicht scheut, auch Täler mit mir zu durchwandern, um im nächsten Moment mit mir Tränen zu lachen. Eine Frau, die genau so lieben kann, wie sie sich lieben lässt. Eine Frau, die weiß, wer sie ist und mit der ich selbst in der Stille und Schweigsamkeit kommunizieren kann.

Vielleicht bin ich naiv oder gar dumm, aber ich gebe den Glauben nicht auf, dass es die Liebe für mich geben kann und vielleicht begegnet mir diesmal eine Liebe, die mich nicht verletzt und nah an die Zerstörung meines Selbst führt.

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